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Spring ohne hinzusehen mit Laurie Doctor
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Laurie Doctor ist Dozentin an der Naropa Universität in Boulder, Colorado und unterrichtet dort Kalligraphie, Schrift, Malerei, Buchkunst und Design. Sie für die Sommerschule gewinnen zu können war nach Steven Skaggs im vergangenen Jahr ein Glücksfall, sogar Steven war unter den Teilnehmern. Der Titel des Kurses stammt von einem Gedicht von Wystan Hugh Auden, und der Untertitel heißt „Eine Einladung zur Verbindung von Landschaft und Schrift“. Laurie hat sich viel vorgenommen, das sie uns vermitteln will: - Das Springen ohne Hinzusehen im Sinne von Abkehr vom Zaghaften, hin zum Bestimmten, Endgültigen, nicht mehr der Korrektur bedürftigen, aber auch das Abheben bei Gefahr. Ein Mittel dazu ist das „blinde Kopieren“, bei dem man nur auf die Vorlage, nicht aber auf die zeichnende oder schreibende Hand schaut. - Die Verbindung von Landschaft und Schrift, die Strukturen, Texturen, Kontrast, Tiefe und vieles andere gemeinsam haben, durch das Erproben von kalligraphischen und malerischen Methoden. - Die Vermittlung von Einsichten, die ein Künstler braucht, anhand von Lyrik. - Erklärungen zum Verständnis der verschiedenen Arten zu sehen - Und schließlich sollen wir am Ende eine Mappe beieinander haben, in der die Ideen und Beispiele gesammelt werden, damit man sie später wie Samen ausstreuen kann. Dies alles ist ihr ausgezeichnet gelungen, nicht zuletzt durch ihr heiteres, mitreißendes Wesen. Sie hat uns Nussbraun und Muscheln mitgebracht, damit haben wir gearbeitet. Die Muschel als Schreibwerkzeug macht eine eigenwillige Spur und ist damit sehr gut geeignet, uns von angewöhnten Methoden zu lösen.
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Die Muschel erzeugt eine nicht vorhersehbare Spur

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Die Tage begannen und endeten mit Atem- und Streckübungen, wir entdeckten die Langsamkeit. Laurie hatte Hans-Joachim Burgerts „Über allen Gipfeln ist Ruh“ als Vorlage gewählt, die wir zunächst blind kopierten, mit allen Feinheiten wie Richtung, Druck usw. Danach machten wir eine „richtige Kopie“ zum Vergleich. Eine Methode, abstrakt zu werden, ist die Vergrößerung eines kleinen Ausschnitts einer Vorlage. In intensiver Arbeit entstanden ganze Serien von Quadraten mit abstrakten Mustern, die auch noch farbig gestaltet wurden, wobei die beschränkte Palette der Buntheit Grenzen setzte. Als nächstes wurde ein Alphabet entworfen nach Burgerts Vorlage, jeder einen oder zwei Buchstaben. Es entstanden die ersten Arbeiten mit abstrakten Quadraten und Texten dazu. Laurie brachte uns Rilkes Gedicht „Du siehst, ich will viel“ nahe. Es ist diese Ausschließlichkeit, diese vollkommene Hinwendung, die der Künstler braucht, um seine Absicht auszudrücken.
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Durch Vergrößern eines Ausschnitts ensteht Abstraktion

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Ein weiteres Element, das der Künstler braucht, ist die Ausdauer, die Wiederholung, erklärte uns Laurie am Beispiel eines Gedichts von Mary Oliver. Sie hatte uns gutes schwarzes Papier mitgebracht, auf dem wir die Methoden notierten und auch mal schwarz auf schwarz schrieben. Daraus entstand die Mappe. Wir besorgten uns Dinge aus der Natur (keine Tiere, die könnten weglaufen), um das blinde Kopieren (und damit das intensive Sehen) weiter zu üben. Dabei entstanden erstaunliche Strukturen. Breiten Raum nahmen Erklärungen über das Sehen ein, die verschiedenen Arten zu sehen vom teilnahmslosen Umschauen bis zum biblischen „erkennen“, dem Sehen mit allen Sinnen, bei dem man im Gesehenen aufgeht und etwas zurückbekommt. Auch Rilke machte sich Gedanken über das Sehen in seiner 8. Elegie. Schließlich zeigte Laurie am Beispiel des erblindeten Jorge Luis Borges, wie man das Gegebene, und sei es noch so negativ und unangenehm, als Geschenk annehmen und daraus etwas Dauerndes machen kann. Am letzten Tag legten wir unsere Arbeiten aus, die mit viel Bewunderung begutachtet wurden. Noch eine letzte Atemübung, zum Abschied für Laurie ein Leporello und ein bisschen Abschiedsschmerz – aber jeder Abschied ist auch ein Beginn.
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Die Schrift hat die Tiefe einer Landschaft

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Ein besonderes Glück hat mich bei diesem Kurs ereilt: Als Übersetzer durfte ich zwei aufeinanderfolgende Kurse erleben. Während im ersten Kurs das Erfassen des Neuen im Vordergrund stand, war bei der Wiederholung das Verstehen, sowohl der Techniken als auch der Lyrik und der Beziehung der Schrift zur Landschaft das Wesentliche. Ich ging völlig unbeschwert durch diesen zweiten Kurs und konnte mich - trotz des manchmal schwierigen Übersetzens - auf die Dinge konzentrieren, die Laurie wichtig waren, nämlich das Loslösen von Gehabtem, das bildnerische Umsetzen von Schrift und das Erarbeiten des Sinns der Gedichte.
Laurie Doctor hat auf ihrer Homepage www.lauriedoctor.com einen Bericht aus ihrer Sicht über diesen Kurs geschrieben.
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Dies ist die Mappe, die während des Kurses entstan

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Die abgebildeten Arbeiten sind von mir und während des Kurses entstanden.
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EINbuchstabEN mit Denise Lach
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